BZ: „Brandopfer auf Spenden angewiesen“

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Zusammen mit der Caritas sammelt das St. Ursula Heim weiter für die erneut obdachlos gewordenen Männer aus der Rheinstraße

Von Karin Reimold (Badische Zeitung)

OFFENBURG. Auch zwei Wochen nach dem schrecklichen Brand in der städtischen Notunterkunft in der Rheinstraße läuft die Spendenaktion von Caritas und Ursulaheim für die Obdachlosen weiter. Eine offizielle städtische Quelle zur Unterstützung der betroffenen 36 Männer gebe es nicht. Die Initiatoren der Spendenaktion freuen sich daher über Unterstützung von Bürgern und Vereinen.

Es sind schreckliche Szenen, die eines der Brandopfer der Unglücksnacht beschreibt. „Ich lag schon in meinem Bett, habe gelesen, da hat jemand wie wild bei mir geklopft“, erzählt der Mann, der durch das Feuer in der Rheinstraße alles verloren hat. Ein Mitbewohner zerrte ihn aus seinem Zimmer, keine zehn Zentimeter weit habe er gesehen vor lauter Rauch. Wie die anderen Wohnungslosen wurde auch er zuerst in die Notunterkunft in die Lise-Meitner-Straße gebracht. Dort konnte der Ortenaukreis spontan die Erweiterungsgebäude für die Asylbewerberunterkunft zur Verfügung stellen, die noch nicht bezogen und in Betrieb waren. Darum gab es zunächst auch kein fließendes Wasser. Laut Eva Christoph, Leiterin des St. Ursula Heims, kamen viele Menschen deshalb in der Nacht noch in die Wärmestube. Zu ihnen zählte auch der gerettete Mann. Er sei in der anderen Notunterkunft kollabiert und habe im Ortenau-Klinikum wegen einer Rauchgasvergiftung mehrere Infusionen bekommen. „Ich hatte nicht mal Schuhe an, mit Socken bin ich bei den Minusgraden unterwegs gewesen, bis ich im Heim Ersatzschuhe bekam“, sagt er, noch immer betroffen. „Ich hatte Glück im Unglück. Drei, vier Stunden später hätten wir wohl alle schon geschlafen.“ Ein Teil der Bewohner war durch den Lärm von Rauchwarnmeldern alarmiert worden und konnte sich ins Freie retten. In jenem Teil des Hauses, in dem der Brand durch eine Kerze ausgelöst wurde, breiteten sich die Flammen rasant bis ins Dachgeschoss aus. Der Schock sitze noch immer tief, weiß Christoph. Vorerst seien zwar alle versorgt, aber ihr Hab und Gut haben sie zur Gänze im Feuer verloren. Zwar gebe es vom Jobcenter eine so genannte Erstausstattung nach Totalverlust von 446 Euro, doch für wohnungslose Rentner und Menschen, die arbeiten, gelte dieser Anspruch nicht.

Bis zur Grundausstattung für jeden fehlt noch viel Geld

„Wir versuchen nun durch die Spenden, für alle denselben Betrag bereitzustellen“, erklärt die Leiterin. Bisher habe man knapp 8000 Euro an Spenden erhalten, sagt Andreas Hillebrandt von der Caritas Offenburg. „Wir sind sehr froh, dass die Menschen so schnell reagiert haben“, bedankt er sich. Auch bei Mark Schmelzle und Steffen Ludwig von „DamOGasa“, die einen Tausend-Euro-Scheck im St. Ursula Heim überreichten. „Wir sind Freunde verschiedener Kulturen und organisieren immer wieder Veranstaltungen, wie auch beim Internationalen Fest“, sagt Schmelzle. Die Einnahmen spendete der Verein an die Brandopfer.
„Bisher haben wir für jeden Einzelnen ca. 200 Euro“, sagt Christoph. Bis zur Grundausstattung von etwa 500 Euro, die die Opfer für das Nötigste dringend brauchen, fehlt allerdings noch immer ein großer Teil des Geldes. Die Spendenaktion mit der Caritas geht deshalb weiter. Derzeit erarbeite man zusammen mit der Stadt auch ein Gesamtkonzept, um die Lage in der Lise-Meitner-Straße zu entspannen. „Es ist nicht gut, wenn so viele Leute in der städtischen Notunterkunft leben. Doch bezahlbare Wohnungen sind in Offenburg schwer zu finden“, weiß Christoph. Nun sei sie aber erst einmal froh, alle untergebracht zu wissen, damit sie sich von den erschütternden Ereignissen erholen können.

Spenden: Caritasverband Offenburg-Kehl,
Sparkasse Offenburg-Ortenau,
IBAN DE 18 6645 0050 0000 0596 85
Stichwort: Brand Rheinstraße

Quelle: Badische Zeitung, 15.2.2017

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